Film

Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist

Neu: Streaming des Films über Vimeo und Peripher-Verleih!

D 2020, 106 Minuten, englische Untertitel

mit Adolf Beutler, Suzy van Zehlendorf, Gabriele Beer, Till Kalischer, Laura Nieße, Nina Pfannenstiel u.a.

Regie, Kamera, Montage: Sabine Herpich

O-Ton Schnitt, Mischung: Marilyn Janssen

Titelgestaltung, Plakat: Ulrike Damm

Freigegeben ohne Altersbeschränkung (FSK Prüfkarte: pdf)

Produzent: Büchnerfilm, Tobias Büchner

Verleih: Peripherfilm

Video on demand – für 6,50 € kann der Kinofilm zuhause gestreamt werden!

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Filmstills von Sabine Herpich

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Weltpremiere des Dokumentarfilms auf der Berlinale im Feburar 2020, Filmpalast Delphi, Fotografien von Katy Otto Photographer u.a.

Kritikstimmen zum Film und zu den beiden Preisen (Dokka-Preis der Stadt Karlsruhe 2020 und 3Sat-Preis 2020)

Der Blick der Kamera ist konzentriert. Unaufdringlich richtet er sich auf das Wesentliche: die Menschen in der Berliner Kunstwerkstatt Mosaik und die besonderen Bedingungen, unter denen ihre Arbeiten entstehen. Da ist zum Beispiel Suzy van Zehlendorf, die sich mit einer Neuinterpretation kanonischer Werke der Kunstgeschichte (sie ersetzte Menschen- durch Hahnenköpfe) einen Namen gemacht hat. Oder der betagte Adolf Beutler, dessen geniale Schraffierungen auch nicht vor dem Stuhl haltmachen, auf dem er sitzt. Ihre Behinderungen sind sichtbar, werden vom Film aber weder vorgeführt noch verklärt oder unnötig aufgebauscht. Sie sind einfach da, genauso selbstverständlich wie die Begabungen, mit denen uns die Protagonist*innen im Laufe des Films immer mehr für sich einnehmen. Der Galerist, der eine Ausstellung mit Arbeiten aus der Kunstwerkstatt plant, bringt es sinngemäß so auf den Punkt: Ein Kunstwerk ist ein Kunstwerk, egal, ob der Künstler gehen oder sprechen kann.

Unvoreingenommen, außergewöhnlich langmütig und einfühlsam porträtiert „Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist“ nicht nur eine vorbildliche soziale und künstlerische Einrichtung. Wie beiläufig wirft der Film auch die ganz großen Fragen auf – nach dem Wesen der Kunst, den Bedingungen ihrer Produktion und ihrer gesellschaftlichen Relevanz. So ernst, reflektiert, genau und schön sind Filme selten. Das hat uns sehr berührt.

Grußwort & Jury-Begründung von Natalie Müller-Elmau, Koordinatorin 3sat, 3 Sat-Dokumentarfilm-Preis 2020

Eine lobende Erwähnung möchten wir für den Film einer Filmemacherin aussprechen, der es auf wunderbare Weise schafft, Kunst als existentielle Beschäftigung mit der Innen- und Außenwelt einzufangen. Die Ruhe, Geduld und Zugewandtheit in der Beobachtung entsprechen dabei der behutsamen Herangehensweise der porträtierten Künstler*innen und ihrer Begleiter*innen in der Kunstwerkstatt Mosaik in Berlin. Sabine Herpichs Empathie und respektvolle Distanz erschaffen einen viel zu seltenen dokumentarischen Einblick in die kreative Welt von Menschen mit Behinderung und heben implizit den Dualismus von Insider- und Outsider-Kunst auf. „Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist“ ist ein großartiger Film, der uns beeindruckt und bewegt hat.

arte, lobende Erwähnung, Dokka-Festival Karlsruhe, 9. November 2020, die Jury: Esther Buss, Christian Popp, Serpil Turhan

Es geht Herpich aber nicht nur, noch nicht mal primär um den Anblick von Kunst, sondern um den Anblick von Menschen. Ihre Filme sind nüchtern, verzichten auf jede Angeberei, reduzieren den dokumentarischen Blick auf die Dinge, die wesentlich sind: eine vorurteilslose Zugewandtheit, ein feines Gespür für die Situation und die Person, die sie filmt: Ihre Filme sind mit Menschenliebe gemacht.

Eckehard Knörer in Perlentaucher

Immer wieder lässt Herpich die Kinoleinwand mit den gemalten Bildern eins werden, lässt ihre Wirkung entfalten, stellt Bezüge her. Und da bin ich erstaunt, ergriffen, vergnügt von der künstlerischen Qualität, der stilistischen Konsistenz der Arbeiten und besonders den von Wut, Konzentration, Trauer und Betreuerinnen begleiteten, nach eigenwilligem Gesetz funktionierenden Werkprozessen. Doch stehen diese Empfindungen nie einfach nur für sich, um so eben zum reinen Affektmaterial fürs Selbstgefühl zu werden. Sondern sie provozieren dabei Fragen nach der Kunst an sich: Was macht die Wahrnehmung einer Künstlerin, eines Künstlers aus? Wie formieren sich Stile? Warum arbeiten sich so etwas wie Berühmtheiten aus der Kunst heraus? Wie viel Autorschaft steckt in ihr, ja aus wie vielen Schnäbeln kommt sie eigentlich? Alles Fragen, die das Sujet provoziert, die aber immer auch über es hinausgehen. Herpich interessiert sich nicht dafür, welche Abbiegungen ein Schnabel beim Wachsen nimmt, sondern dass es überhaupt verschieden gewachsene Schnäbel gibt aus denen Kunst kommt.

Jonas Nestroy, critic.de